Ein Gentleman hinter der Bar. Ein Negroni ohne Kompromisse. Und die Kunst, seinen eigenen Stil zu finden.

Berlin, Charlottenburg. Wir treffen Steven Ritzau, Geschäftsführer des Gainsbourg Le Club – Bar Américain. Ein Mann, der seinen Gästen die besten Drinks serviert, selbst längst keinen Alkohol mehr trinkt und bei einem guten Smoking genauso wenig Kompromisse macht wie bei einem perfekten Cocktail.

Ein Stück Paris mitten in Berlin

Es gibt Orte, die man betritt und sofort versteht. Das Gainsbourg Le Club gehört dazu.

Unter einer gewölbten Backsteindecke reihen sich unzählige Spirituosenflaschen auf dunklen Holzregalen. Französische Reklameschilder, schwere Holztische und tiefgrüne Sitzbänke erzählen von langen Nächten, guten Gesprächen und dem einen Drink, der vielleicht doch nicht der letzte bleibt.

Das Gainsbourg ist keine dieser Bars, die alle paar Jahre neu erfunden werden müssen. Hier geht es um Atmosphäre, um Beständigkeit und um die Kunst, seine Gäste für ein paar Stunden aus dem Alltag zu entführen.

Benannt nach Serge Gainsbourg, dem französischen Musiker, Provokateur und Lebemann, trägt die Bar ein gutes Stück Pariser Nachtleben in sich. Ihre Wurzeln reichen bis in die 1990er-Jahre zurück. Nach dem Abschied vom ursprünglichen Standort am Savignyplatz lebt das Gainsbourg heute im Jeanne-Mammen-Bogen weiter.

Ein wenig verrucht, angenehm unaufgeregt und mit jener Selbstverständlichkeit, die man nicht inszenieren kann.

Mittendrin: Steven Ritzau.

Der Mann hinter dem Tresen

Steven ist Geschäftsführer, Gastgeber und Perfektionist. Einer, der sein Handwerk versteht und es ernst nimmt, ohne daraus eine große Show machen zu müssen.

Sein Arbeitsplatz liegt hinter dem Tresen. Dort, wo Flaschen, Gläser und Zutaten ihren festen Platz haben und jeder Handgriff sitzt.

Wer ihm beim Zubereiten eines Cocktails zusieht, merkt schnell: Hier passiert nichts zufällig. Steven arbeitet konzentriert, beinahe akribisch. Die Auswahl der Zutaten, das Eis, die Serviette unter dem Glas, die Temperatur, die Balance zwischen Bitterkeit und Süße – jedes Detail zählt.

Dabei könnte sein eigener Lebensstil kaum einen interessanteren Kontrast zum Nachtleben bilden.

Denn Steven trinkt inzwischen keinen Alkohol mehr.

Stattdessen gehören Sport und eine gute Camel-Zigarre zu seinen persönlichen Vorlieben. Ein Barkeeper, der seinen Gästen mit Hingabe Drinks mixt, auf die er selbst verzichtet? Klingt zunächst widersprüchlich. Ist es aber nicht.

Vielleicht ist es gerade diese Distanz, die seinen Blick auf das Wesentliche schärft. Für einen guten Gastgeber steht schließlich nicht der eigene Genuss im Mittelpunkt, sondern der seiner Gäste.

Und was könnte besser zu einem Mann passen, der sein Handwerk so ernst nimmt?

Ein Negroni. Drei Zutaten. Keine Ausreden.

Heute steht ein Klassiker auf dem Programm: der Negroni.

Gin, Campari und roter Wermut. Drei Zutaten, die seit Jahrzehnten beweisen, dass ein außergewöhnlicher Cocktail keine endlose Zutatenliste benötigt.

Auf den ersten Blick denkbar einfach. In der Praxis erstaunlich anspruchsvoll.

Steven greift zur Flasche, füllt das Glas mit Eis und beginnt zu arbeiten. Er rührt, prüft und schenkt ein. Zum Abschluss kommt die Orangenzeste ins Spiel. Ein kleiner Handgriff, der den Unterschied macht.

Die ätherischen Öle der Schale setzen einen frischen Kontrapunkt zur charakteristischen Bitterkeit des Drinks. Entscheidend ist nicht allein, was im Glas landet, sondern auch, wie es dort zusammenkommt.

Der klassische Negroni:

  • 3 cl Gin (am besten ein wacholderbetonten, kräftigen London Dry Gin)

  • 3 cl Campari

  • 3 cl Wermut (Carpano Antica Formula)

  • Ein einzelner, sehr großer Eiswürfel oder eine große Eiskugel aus klarem, geschmacksneutralem Wasser

  • Eine frische Orangenzeste

Alle drei Spirituosen zu gleichen Teilen über Eis verrühren, bis der Drink ausreichend gekühlt und leicht verdünnt ist. Anschließend in ein vorgekühltes Glas mit frischem Eis abseihen. Die Orangenzeste über dem Glas ausdrücken und als Garnitur verwenden.

Das Geheimnis liegt vor allem in der Qualität des Wermuts, einer ausgewogenen Kombination der Spirituosen und der richtigen Verdünnung. Zu wenig Wasser lässt den Negroni kantig wirken, zu viel nimmt ihm seine Struktur.

Ein wirklich guter Negroni ist bitter, aromatisch, angenehm kühl und überraschend ausgewogen.

Viktor, selbst erklärter Negroni-Fan, lässt sich die Gelegenheit natürlich nicht entgehen. Während Steven hinter der Bar arbeitet, wird auf der anderen Seite des Tresens bereits gefachsimpelt.

Über die richtige Balance, gute Zutaten und darüber, weshalb manche Klassiker niemals aus der Mode kommen.

Black Tie statt Business as usual

Wer Steven kennt, kennt auch seinen Kleidungsstil.

Hemd und Tuchhose gehören für ihn zum Alltag. Unkompliziert, gepflegt, klassisch. Ein Look, der zu einem Gastgeber passt, der viel Wert auf Details legt, aber kein Interesse daran hat, sich in den Vordergrund zu spielen.

Für unser Treffen hat er sich allerdings für etwas anderes entschieden.

Black Tie.

Ein schwarzer, zweireihiger Smoking mit markantem Spitzrevers, schwarzer Fliege und weißem Hemd. Dazu eine klare Silhouette, ein dezentes Einstecktuch und sichtbare Freude an der klassischen Abendgarderobe.

Der Look ist elegant, aber keineswegs steif. Tattoos auf den Händen, die transparente Brille und Stevens lässiger Umgang mit dem Smoking nehmen dem Outfit jede Form von Förmlichkeit.

Es ist genau diese Mischung, die seinen persönlichen Stil ausmacht: klassische Regeln kennen, ohne sich von ihnen einengen zu lassen.

Und es ist keineswegs das erste Mal, dass Steven bei ROOKS & ROCKS fündig geworden ist.

Vor rund zehn Jahren ließ er bei uns bereits seinen Hochzeitsanzug anfertigen. Seitdem ist er unserer Maßkonfektion treu geblieben.

Zehn Jahre, viele Anzüge und eine gemeinsame Wertschätzung für gutes Handwerk später stehen wir nun zusammen hinter seiner Bar.

Manche Verbindungen entstehen eben nicht durch große Versprechen, sondern durch Dinge, die über Jahre überzeugen.

Über guten Geschmack lässt sich sprechen

Es gibt durchaus Parallelen zwischen einem guten Cocktail und einem guten Anzug.

Beides beginnt mit hochwertigen Zutaten. Beides verlangt handwerkliches Können. Und bei beidem entscheidet am Ende das Zusammenspiel der Details.

Ein Negroni kann aus drei ausgezeichneten Spirituosen bestehen und trotzdem nicht schmecken, wenn die Balance fehlt.

Ein Smoking kann aus einem hervorragenden Stoff gefertigt sein und trotzdem seine Wirkung verfehlen, wenn die Proportionen nicht stimmen.

Vielleicht verstehen wir uns deshalb so gut.

Steven denkt in Aromen, Temperaturen und Texturen. Wir denken in Schnitten, Silhouetten und Stoffen. Was uns verbindet, ist die Begeisterung für ein Ergebnis, bei dem alles zusammenpasst.

Und die Überzeugung, dass Qualität nicht erklärt werden muss, wenn man sie erleben kann.

"Die Nacht gehört denjenigen, die sie verstehen"

Während wir unseren Negroni genießen, bleibt Steven hinter seinem Tresen. Dort gehört er hin. Nicht, weil er es müsste, sondern weil es sein Element ist.

Das Gainsbourg ist ein Ort für Menschen, die gute Drinks, gute Gesellschaft und ein wenig Eigenwilligkeit zu schätzen wissen. Kein glatt poliertes Lifestyle-Konzept, sondern eine Bar mit Persönlichkeit.

Und Steven ist ein Teil davon.

Ein Mann, der keinen Alkohol mehr benötigt, um das Nachtleben zu lieben. Der lieber Sport treibt, gelegentlich eine Zigarre genießt und sich für einen Abend im Smoking genauso selbstverständlich fühlt wie im Hemd hinter der Bar.

Der Negroni ist inzwischen leer. Das Gespräch könnte noch Stunden weitergehen. 

Aber gute Abende erkennt man bekanntlich daran, dass man nicht möchte, dass sie enden.

À bientôt, Steven. Und danke für den Drink.


INTO THE WILD by ROOKS & ROCKS

Wir treffen Menschen, die ihren eigenen Weg gehen. Menschen mit Geschichten, Ecken, Kanten und einem unverwechselbaren Stil. Nicht immer angepasst. Aber immer sie selbst.

Location: Gainsbourg Le Club – Bar Américain, Jeanne-Mammen-Bogen 576/577, 10623 Berlin

Look: Zweireihiger Smoking nach Maß von ROOKS & ROCKS, weißes Smokinghemd, schwarze Fliege und Einstecktuch.

— Viktor Lis