Lebens- & Stilberatung von Günther Krabbenhöft aus Berlin

Selbst in Berlin ist er nicht zu übersehen. Mit Hut, Gehstock und mit Kopfhörern in den Ohren kommt Günther Anton Krabbenhöft in unseren ROOKS & ROCKS Showroom in Berlin. Mit guter Laune und tänzelnd fragt er, ob seine neuen Westen eingetroffen sind.

Ein Bild, das ihn auch mit Kopfhörern in den Ohren und in ähnlichem Outfit am Kottbusser Tor zeigt, jagte vor einigen Monaten durch das Internet und machte den Wahl-Kreuzberger über Nacht berühmt.

Günther Anton ist aber mehr als der „Hipster Opa“ oder ein Social-Media-Phänomen. Er ist ein Lebenskünstler mit großem Lebenswissen über Stil und das Großstadtleben.  Wir nutzen die Gunst der Stunde um etwas zu lernen und stellen einige Fragen:

Oft liest man, du seist „Berlins ältester Hipster“. Siehst du dich eigentlich als ein Hipster?

Ich kann das nicht mehr hören! Hipster sind doch die mit Bart und Mütze, die alle gleich aussehen. Also bitte – so seh‘ ich nicht aus. Ich lebe meinen Look. Ich bin eher ein „Bestager“ (lacht).

Gibt es falsche Entscheidungen?

Ich stelle fest, dass es eigentlich keine richtigen oder falschen Entscheidungen gibt. Denn selbst durch falsche Entscheidungen entstehen neue Situationen, die als Motor neu antreiben. Es ist nur eine andere Entscheidung und ein anderer Weg – aber kein falscher.

Bist du privat Anzugträger? Wenn ja, seit wann und warum? 

Ja, klar. Immer. Täglich! Voraussetzung ist aber, dass man einen gut sitzenden Anzug hat. Meinen ersten Anzug habe ich mir im 3. Lehrjahr gekauft.  Ich war da 17Jahr alt oder so. Damals haben Jugendliche noch mehr Anzug getragen als heute. Ich fand es aber wirklich einfach nur cool und fand der Anzug hat mir mehr Ausstrahlung verliehen. Wie eine Rüstung.

Kannst du dich an deinen ersten Anzug erinnern. Wenn ja, zu welchem Anlass und wie sah der aus? Hast du ihn noch? 

Da gibt es sogar Foto von.  Wie gesagt, ich war im 3. Lehrjahr und wollte gut aussehen. Es war daher kein normaler Anzug in blau oder anthrazit. Als modebewusster junger Mann habe ich zu einem beigen Anzug mit Steifen gegriffen. Heute muss ich sagen: Seltsame Farbe (lacht). Das Teil habe ich nicht mehr. Das war doch in den 50ern (lacht lauter).

Wie viele Anzüge besitzt du?

Aktuell habe ich 5 Anzüge zum Kombinieren. Dazu kommen jede Mengen Westen. Westen sind die beste Grundausstattung um kreativ zu kombinieren und eine Twist einzubauen. Die Garderobe sollte man nicht zu clean gestalten.

Was ist dein Lieblingskleidungsstück?

Meine brauen Aktentasche aus Wien. Eine Wiederbelebung des Modells, das Thomas Mann immer trug. Wunderschön.

Was denkst Du über den Kleidungsstil der Berliner?

Da ist aus meiner Sicht noch sehr viel Luft nach oben. Die Leute sollten sich mehr Gedanken machen was sie anziehen und nicht morgens halb verpennt in die Klamottentüte greifen. Kleidung ist doch nicht als nur die Tatsache, dass man nicht nackt ist, sondern die Darstellung der eigenen Persönlichkeit. Da kann man noch so viel schreien, dass es auf andere Werte ankommt, aber der erste Eindruck ist extrem wichtig. Was ich gar nicht leiden kann: Wenn jemand sagt, er kaufe nur was bequem ist. Das kann doch nicht die einzige Motivation sein sich anzuziehen.

Was wäre dein Tipp dagegen?

Die Leute sollen sich überlegen wer sie sind und was sie darstellen wollen und es sich trauen! Jeder hat doch eine Message, die er an seine Mitmenschen senden möchte. Egal, ob man Cowboy sein möchte, oder Rockstar. Man muss sich ja gar nicht festlegen, sondern eine Vielfalt in der äußeren Darstellung zur Verfügung haben. Dabei muss man sich nicht danach richten was Millionen anderer machen, denn die können sich alle sehr irren. Traut euch, ihr selbst zu sein!

Was machst du tagsüber so?

Aktuell mache ich viele Fotos, Werbung und tue was eben ansteht, um an meinem perfekten Auftritt zu arbeiten.
Neben all den Terminen ist es mir aber sehr wichtig in das Projekt „Leben“, sozusagen in das Projekt „glücklich sein“ am meisten Zeit zu investieren.

…und abends?

Na ich gehe aus. In Clubs – zum Tanzen.

Welche Berliner Orte sind für Dich besonders inspirierend und warum? Wo zieht es Dich immer wieder hin?

Mich zieht es immer wieder auf Friedhöfe. Schon als Jungendlicher habe ich diese Orte wegen der besonderen Mystik aufgesucht.Zum Beispiel die Friedhöfe in der Bergmannstraße. Einen besseren Ort der Ruhe oder um seine Gedanken auf die Reise zu schicken kenne ich nicht. Ich lese mir dort gerne die Inschriften auf den Tafeln durch und stelle mir Geschichten dazu vor. Dort kann ich träumen und zu mir finden. Ich kann auch nicht verstehen wie andere Leute dort eine depressive Stimmung empfinden.

Warum hast Du Dich für Berlin als Heimatort entschieden?

Ich bin mit 23 Jahren nach Berlin gekommen. Es hat sich mir schon damals so präsentiert wie es sich auch heute noch präsentiert. Als eine Möglichkeit so zu leben wie man ist. Auch in der Gemeinschaft mit anderen Menschen. Das liebe ich an Berlin. Klar, manchmal sieht es so aus, als gäbe es keine Individualisten mehr im alltäglichen Straßenbild, aber wenn man an die richtigen Ort geht, findet man sich noch.

 

Lese hier das Interview mit Tom Schilling:

https://www.rooks-rocks.com/interview/tom-schilling-das-coole-gesicht-des-deutschen-films-und-seine-jazz-kids/

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