Worauf kommt es bei einem massanzug an?

Wusstest du, dass dein Anzug aus über 120 Einzelteilen besteht und in etwa 80 Stunden mit über 12.000 Handstichen zusammengenäht wird? Am Ende steht ein Produkt, auf das wir stolz sind: Dein Maßanzug. Lass uns das Pferd aber nicht von hinten aufzäumen, sondern von vorne beginnen. Worauf kommt es bei einem guten Maßanzug an? Im Wesentlichen müssen drei Faktoren in Perfektion zusammenspielen. Der Stoff, die Konstruktion und die Passform.

DER stoff

Wir unterteilen unsere Stoffe zunächst nach ihrem Rohstoff. Es gibt Stoffe pflanzlichen Ursprungs, wie beispielsweise Leinen-, Bambus-, oder Baumwollstoffe und Stoffe tierischen Ursprungs. Hierzu gehören Schurwolle, Merinowolle, Mohair, Kaschmir usw.. Bereits beim Rohstoff lassen sich die ersten Weichen stellen. Pflanzliche Stoffe sind grundsätzlich etwas atmungsaktiver, knittern jedoch etwas leichter. Umgekehrt knittert ein Wollstoff im Verhältnis deutlich weniger, als ein Leinenstoff. Dann kommt es natürlich darauf an, wer den Rohstoff zu einem Tuch verwebt. Wir arbeiten mit namenhaften Webereien und Tuchhändlern aus Italien und England zusammen. So findest du Stoffe von Vitale Barberis Canonico, Reda, Drago, Zegna, Loro Piana, Huddersfield, Hardy Minnis und Drapers in unserem Repertoire. In sämtlichen Qualitäten: Sommerlich und locker gewebte Tuche, robuste Tweeds aus Schottland, winterliche Flanelle oder ultrafeine S200 Schurwollen. Für jedes Bedürfnis finden wir das richtige Material.

Die konstruktion

Wer sich aber bereits intensiver mit Maßanzügen beschäftigt, weiß, dass die Entscheidung über die Konstruktion des Maßanzugs mindestens so wichtig ist, wie die Wahl des Außenstoffes. Noch nie davon gehört? Kein Problem, wir erklären es dir. Stell dir vor, dein Sakko ist ein Gebäude. Die Fassade außen ist der Außenstoff und das Innenfutter ist die Tapete. Ohne ein Gerüst im Inneren, würde das Gebäude in sich zusammenfallen. Ganz ähnlich ist es auch bei deinem Sakko.  Unsere Sakkos sind daher in der Regel mit einer Einlage – auch Canvas genannt – ausgestattet. Diese Einlage kann in unterschiedlichen Stärken in Revers- und Frontpartie eingenäht werden und sorgt für die erforderliche Stabilität und Form (im englischen auch “Drape” genannt). Grundsätzlich bieten wir dir vier verschiedene Konstruktionsvarianten an:

full canvas: der gold standard

Beim Full Canvas Maßanzug wird die komplette Einlage in der Front vernäht. Hierbei verzichten wir auf jeglichen Klebeeinlagen. Wir verwenden eine softe Baumwoll-Rosshaareinlage, die mit einem speziellen Nährverfahren (“Stobeln”) in dein Sakko eingearbeitet wird. Die Einlage sorgt, durch ihre gute Anpassungsfähigkeit, für den perfekten Tragekomfort. Die Einlage bekommt extra Spiel und passt sich beim Tragen der Körperform zusätzlich an. Die genähte Full Canvas Konstruktion macht deinen Anzug nicht nur bequemer, sondern auch langlebiger und atmungsaktiver.

Der Full Canvas ist die qualitativ hochwertigste Lösung, aber auch ganz klar der Preis-/Leistungssieger bei den Konstruktionen.

half canvas: die basis

Der Half Canvas, auch bekannt als „semi-traditionelle“ Verarbeitung, bietet die Vorteile einer genähten Einlage, zu einem günstigeren Preis. Beim Half Canvas wird nur die halbe Front mit einer Baumwoll-Rosshaareinlage unterlegt und der Oberstoff anschließend durch einen feinen Pikier-Stich mit dem Revers verbunden. Bei der zweiten (unteren) Hälfte, wird der Oberstoff mit der Einlage fixiert und mit einer Hochdruck-Bügelpresse mit dem Stoff thermofixiert. Durch die Pikierung im oberen Bereich (Schulter- und Brustpartie), ist bereits ein deutlicher Unterschied zur Fused Variante zu spüren. Für Kunden, die die Qualität ihres Anzug mit kleinem Budget deutlich aufwerten wollen, ist der Half Canvas ein fantastisches Angebot.

Fused: thermofixiert

Im industriellen Herstellungsverfahren und somit bei nahezu allen Sakkos von der Stange, wird ein sogenannter Fused Canvas verarbeitet. Dieser Fused Canvas besteht aus einem Fließ, welches mit den anderen Stoffschichten thermofixiert (geklebt) wird. Es hält dein Sakko zwar in Form, jedoch leidet die Atmungsaktivität, die Flexibilität und somit auch die Passform-Genauigkeit bei diesem Verfahren.
Hand aufs Herz: Es gibt aus qualitativen Aspekten keinen Grund, sich für einen Fused Canvas zu entscheiden. Denn auch die Langlebigkeit leidet, z.b. durch eine unsachgemäße Reinigung, da sich der Kleber lösen kann.

UNCONSTRUCTED: EIN LOOK WIE AUS BELLA ITALIA

Du suchst nach einem elegant-lässigen Look? Nach casual Kleidung, mit der man immer noch stilvoll aussieht? Dann solltest du für dein Sakko über die „unconstructed“ Nähtechnik nachdenken. Bei dieser Verarbeitungsart wird das Sakko auf das Wesentlich reduziert. Alle Polster, Rosshaar-Einlagen, Ärmelfische etc. werden entfernt. Herzstück bei einem solchen Sakko ist die als „Spalla a Camicia“ bezeichnete Schulterform. Übersetzt bedeutet Spalla a Camicia „wie ein Hemd”. Diese Konstruktion ist so konzipiert, dass sie auf natürliche Weise über die Schultern fällt und die Schulterlinie eines Mannes nicht verändert. Beim Anzug wird, getreu der italienischen Handwerkstradition, nur eine dünne Schicht Leinwand von Hand eingenäht. Die Passform, der Fall und das kleine Armloch sollen einen freien Bewegungsbereich ermöglichen. Das Resultat ist ein ultra leichtes Sakko, mit einer relaxten Sportlichkeit, das sich mehr wie ein Cardigan anfühlt.

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